Mineralogik

Entstehung & Geschichte

Tigerauge war im alten Ägypten ein Schutzstein — die Augen der Götterstatuen wurden damit besetzt. Römische Soldaten trugen Tigerauge-Amulette in der Schlacht. Heute ist es einer d…

Tigerauge war im alten Ägypten ein Schutzstein — die Augen der Götterstatuen wurden damit besetzt. Römische Soldaten trugen Tigerauge-Amulette in der Schlacht. Heute ist es einer der bekanntesten und erschwinglichsten Chatoyanz-Steine. Das südafrikanische Nordkap-Vorkommen ist das bedeutendste weltweit.

Wie entsteht Tigerauge?

Tigerauge entsteht durch Pseudomorphose: Blaues Krokydolith (Asbestmineral) wird durch Quarzkieselsäure ersetzt, wobei die parallele Faserstruktur erhalten bleibt. Die Fasern streuen Licht zu einem wandernden Band (Chatoyanz). Gleichzeitige Eisenoxidation färbt die Fasern goldbraun.

Kaufberatung

Qualität & Wert

Chatoyanz
Intensität und Schärfe des Lichtbandes sind entscheidend. Ein einzelnes, scharfes, gut wanderndes Band auf dem Cabochon ist wertvoller als ein breites, diffuses.
Varietäten
Tigerauge (gold-braun, häufig), Falkenauge (blau-grau, weniger oxidiert, seltener), Stierauge (rot durch Erhitzung oder natürliche Oxidation), Tigereisenerz (mit Hämatit und Jaspis gemischt).
Behandlung
Oft erhitzt um rotes Stierauge zu erzeugen. Manchmal gefärbt. Natürliche goldbraune und blaue Stücke sind wertvoller.
Asbest
Krokydolith ist ein Asbestmineral — aber im Tigerauge vollständig durch Quarz ersetzt und damit vollkommen sicher. Das fertige Produkt enthält keinen freien Asbest.

Varietäten

Arten & Varietäten

Tigerauge
Gold-braun: häufigste Varietät, klassischer Look. Südafrika.
Falkenauge
Blau-grau: weniger oxidiertes Krokydolith. Seltener.
Stierauge
Rot durch Eisenoxidation oder Erhitzung. Selten natürlich.
Tigereisenerz
Hämatit + Tigerauge + Jaspis. Westaustralien. Bunt.
Tigerauge Cabochon
Standardschliff. Zeigt Chatoyanz optimal.
Tigerauge Kugel
Beliebte Dekorform. Chatoyanz von allen Seiten sichtbar.

Herkunft

Fundorte weltweit

Südafrika
Nordkap-Provinz (Griquatown): weltgrößtes Vorkommen, Standardqualität
Australien
Westaustralien (Pilbara): Tigereisenerz mit Hämatit und Jaspis
Indien
Rajasthan: mittlere Qualität, große Mengen für Schmuck
Namibia
Verschiedene Regionen: gute blaue Falkenaugen
USA
Arizona: selten, historisch bedeutsam

Praxis

Pflege & Zertifikate

Pflege & Reinigung
Tigerauge (Mohs 6,5–7) ist robust. Reinigung mit Wasser und Seife. Ultraschall möglich. Keine besonderen Einschränkungen.
Zertifikate
Nicht nötig.

Häufige Fragen

FAQ zum Tigerauge

Ist Tigerauge durch Asbest gefährlich?
Nein. Krokydolith (blauer Asbest) ist zwar das Ausgangsmaterial, aber im Tigerauge vollständig durch Quarz pseudomorphosiert — die Faserstruktur ist erhalten, aber das Mineral ist Quarz, kein Asbest mehr. Fertige Tigerauge-Stücke enthalten keinen freien Asbest und sind vollkommen sicher.
Was ist der Unterschied zwischen Tigerauge und Falkenauge?
Dasselbe Mineral in verschiedenen Oxidationsstadien: Falkenauge ist weniger oxidiertes Krokydolith (blau-grau, Fasern noch sichtbar). Tigerauge ist stärker oxidiertes Material (goldbraun durch Eisenoxid). Stierauge ist vollständig oxidiert (rot). Alle zeigen Chatoyanz.
Kann ich Tigerauge selbst erhitzen?
Ja — durch Erhitzen auf ca. 300–400 °C kann goldbraunes Tigerauge zu rotem Stierauge werden. Das ist eine akzeptierte Behandlung. Natürlich rotes Stierauge ist seltener und wertvoller.